PACS ohne Prozessmanagement?


An der digitalen Entwicklung führt kein Weg vorbei. PACS als integrales Bildarchiv des Krankenhauses wird zum MUSS. Diese Technik unterstützt hervorragend – wenn sie entsprechend angepasst ist. Bei PACS ohne Prozessmanagement fehlt der entscheidende Baustein. Ein Lösungsweg mit messbarem Nutzen wird aufgezeigt.
Ein Beispiel aus der Luftfahrt verdeutlicht das. Nach Landung auf einem Flughafen führt der Weg direkt zum Gepäckband. Doch es dauert und dauert – in Paris Charles de Gaulles etwa 35 Minuten bis der Koffer endlich ankommt. Im Vergleich dazu Frankfurt. Das Gepäckband beginnt zu laufen, der Koffer kommt, wenn die ersten Passiere dort eintreffen. Das verspüren wir als gute Lösung.
Dem Pariser Flughafen ist kein 7-fach schnelleres Gepäckband zu empfehlen. Da sollte man eher Sorge um den Koffer haben. Die Lösung für Paris ist eine Analyse der bestehenden „Logistik rund um den Koffer“. Die Suche nach zeitraubenden Schwachstellen zeigt die Ist-Situation auf. Die Festlegung auf ein Konzept „Koffer in 5 Minuten“ wird die Basis für die erfolgreiche Umsetzung.
Diese Neugliederung der Arbeitsschritte ist Prozessmanagement. Sie gleicht einem Staffellauf im Sport. Ein gemeinsames Ziel ist die Voraussetzung. Einstellung auf die Geschwindigkeit der Anderen und die reibungslose Übergabe des Staffelstabs sind die weiteren Schritte. Der Erfolg ist die Summe aus guten Einzelleistungen plus einer nahtlosen Organisation.
Hier die Analogie bei PACS. Bei der Konzeption des digitalen Bildarchivs wird die Logistik meist vergessen. In Folge sind nur etwa 10 % aller PACS-Installationen in Deutschland integrierte Lösungen. Der Rest sind digitale Inseln ohne Mehrwert für das Klinikum. Digitale Bilder und zusätzlich herkömmliche Filme führen zu doppelten Arbeitsstrukturen. Wiederholte Eingaben in verschiedene Systeme verursachen Fehler und rauben Zeit. Unklare Patientenanmeldung in die Radiologie erzeugen Verzögerungen.
Ein prozessgemäßes PACS-Konzept orientiert sich am veränderten Bedarf. Dieser ergibt sich aus der Einführung der Diagnosis Related Groups. Eine Halbierung der Verweildauer wird Realität. Der Kliniker braucht Bilder und Befunde binnen Stunden statt heute üblicher 3 – 4 Tage. Die neue Vorgabe heißt


Bild und Befund < 1 Tag

Diese zeitliche Verkürzung ist ein Produktivitätssprung – ein Staffellauf mit neuem Ziel. Und dem hat sich alles nachzuordnen. Schnelleres Arbeiten ist nicht der Ansatz. Maßgeschneiderte Strukturen fördern die Zusammenarbeit von Kliniken und Radiologie. Prozessmanagement in und um die Radiologie ist hier der Dreiklang aus bedarfsgerechter Organisation, personellen Ressourcen und unterstützender Technik.
PACS ist keine Einzellösung für die Radiologie. PACS stellt die kurzfristige Verfügbarkeit aller relevanten Informationen für das gesamte Krankenhaus her – von überall und für alle Beteiligten. Die applikatorische Verantwortung dafür sollte die Radiologie als zentraler Dienstleister zusammen mit der EDV übernehmen. PACS ist dann das notwendige Werkzeug.
Ein „PACS mit Prozessmanagement“ macht sich bezahlt. Die Wertigkeit zeigt sich, wenn das Ziel Bild und Befund < 1 Tag erreicht ist.



Dipl. Ing. Wolfgang von Schretter


aus: Klinik Management Aktuell. Sonderausgabe-ITeG Juni 2004
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