Der Wind hat sich gedreht – Radiologie Management aktuell

Es ist überall spürbar im Krankenhaus – der Wind hat sich gedreht. Die Diagnosis Related Groups erzeugen eine neue Geschwindigkeit. Die Patientenverweildauer wird sich etwa halbieren. Die Radiologie als einer der zentralen Dienstleister muss sich auf diesen Zeitdruck einstellen. Nach der Untersuchung sollen Bilder und Befunde zügig zur weiteren Behandlungseinleitung des Patienten bereitstehen.


Die heute übliche „Jagd nach den Bildern“ und die Wartezeit von durchschnittlich 3 – 4 Tagen auf die Befunde ist für die Kliniker morgen nicht mehr akzeptabel. Bild und Befund schneller als 1 Tag ist die klare Prämisse.

Radiologie ist ein technologie-getriebenes Fach. Computertomografie, Kernspinresonanz und die Digitalisierung haben den Bereich deutlich verändert. Mehr Technik alleine ist aber kein Allheilmittel, um schneller zu Diagnosen zu gelangen.



Zwei typische Trugschlüsse sind zu nennen:

Trugschluss 1

Geräteoptimierung = Lösung von Untersuchungsengpässen

Beispiel: Ein superschneller Kernspintomograf ist installiert. Die vorhandene Organisation bleibt aber wie gehabt. Wie soll da der größere Untersuchungsbedarf gedeckt werden?


Trugschluss 2

Einführung von PACS = Änderung der Arbeitsprozesse

Beispiel: Von über 400 PACS-Systemen in Deutschland sind nur etwa 10 % integrierte Lösungen.1 Der Rest kann eine Lieferung von Bild und Befund weniger als ein Tag nur partiell unterstützen.

Die zeitlichen Reserven liegen in der Neuordnung der Arbeitsprozesse. Der Zeitsprung für die Bild- und Befundlieferung von durchschnittlich 3 Tagen auf deutlich weniger als 1 Tag erfordert einen drastischen Wechsel der Arbeitsweisen - das nennt sich Prozessmanagement.

Damit ist nicht Mehrarbeit gefordert, sondern eine andere Organisation der Arbeit. Die Einstellung auf den neuen Bedarf und die Anpassung daran ist die neue Priorität. Das Bild des Staffellaufs verdeutlicht den Patientenprozess in und um die Radiologie sehr anschaulich.


Patienten-Anmeldung in der Radiologie

Die Anmeldung des Patienten in der Radiologie sollte möglichst einfach funktionieren – nämlich online. Ungeklärte Wege über Fax, Telefon und teils digital sind die Quelle von zeitraubenden Tätigkeiten und mehrfachen Eingaben an mehreren Stellen durch viele Personen. Das hört sich nach Vergangenheit an, ist aber heute noch die Realität.



Diagnostische Untersuchung

Die Untersuchung des Patienten erfolgt am gleichen Tag, spätestens aber am nächsten - nach fest verabredeten Regeln. Wartezeiten auf Kernspinuntersuchungen von Tagen bis zu zwei Wochen sind unter DRGBedingungen ein Desaster für die Kosten eines Krankenhauses. Hier stimmt die Organisation nicht, trotz neuen Gerätes.



Bild- und Befund-Kommunikation < 1 Tag

Bilder und Befunde stehen den Klinikern kurzfristig auf dem Monitor zur Verfügung. Dabei ist der Ort frei wählbar, ob auf Station, in der Notfall- Ambulanz oder im OP. Der gleichzeitige Zugriff von allen am Patientenprozess Beteiligten ist der zeitliche und interdisziplinäre Zugewinn.
Diese Übergabe ähnelt der Weitergabe von Staffelstäben. Gute Vorbereitung, die Identifikation mit einem gemeinsamen Ziel und die Einstellung auf das Tempo des Anderen sind hier die Faktoren für den Unternehmenserfolg.
Was heißt das aber konkret für die Radiologie? Nichts anderes, als was ein Logistikunternehmen z. B. in der Luftfahrt auch tun würde: Überprüfung der Rahmenbedingungen, Klärung der Ist-Situation und Festlegung der Zielparameter.
Eine kritisch neutrale Analyse klärt die Ist-Situation der Radiologie. Interviews mit den Mitarbeitern zeigen mögliche Blockaden auf. Interviews mit den klinischen Überweisern überprüfen den Bedarf. In einer konkreten Handlungsanweisung wird die Restrukturierung in machbaren Schritten zusammengefasst. Deren Umsetzung als Dreiklang aus Prozessoptimierung, Personalstrukturierung und Technikoptimierung (Geräte, PACS) führen zu dem gewünschten wertschöpfenden Ergebnis.
Mögliche Bedenken vor der Umsetzung der Maßnahmen sind eher unbegründet. Radiologie hat Zukunft – im Konzert des Patientenprozesses spielt sie eine wesentliche Geige. Eine externe Hilfe macht die Umsetzung leichter. Sie koordiniert das Konzept, ist frei von Abhängigkeiten und hat die Erfahrung aus vielen vergleichbaren Projekten.
„Radiologie Management aktuell“ ist die Chance der Bildgebenden Diagnostik zur Neupositionierung als zentraler Dienstleister im Patientenprozess. Die Anpassung der Radiologie an die neuen Qualitäts-, Quantitäts- und Zeitanforderungen ist aber ein Muss, damit ein Klinikum im Markt bestehen kann. Letztendlich wird der konsequente Weg zur Einführung eines Qualitätssystems eingeschlagen.
Radiologie Management heißt hier: heute das tun, woran andere erst morgen denken.



Dipl. Ing. Wolfgang von Schretter

aus: Klinik Management Aktuell, Berater Supplement 2004
Home | Veröffentlichungen | Der Wind hat sich gedreht – Radiologie Management aktuell
Impressum